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Stimme und Körpersprache

Thesen

  • Ihre Stimme und Ihre Körpersprache bilden gemeinsam das Fundament für einen souveränen Auftritt in Lehr-Situationen.
  • Wie Sie einen Vorlesungssaal oder Seminarraum betreten, hat große Auswirkungen darauf, wie Sie wahrgenommen werden.
  • Sie können Ihre Atmung so trainieren, dass Ihnen in der Lehre nicht "die Puste ausgeht".
  • Mit ein bisschen Übung lernen Sie Ihre Artikulation zu verbessern.
  • Dadurch können Sie Ihre Stimme schonen.

Die Macht der Körpersprache

Welche Rolle spielt Körpersprache im Lehralltag?

In diesem Video spricht Heike Hofmann, Präsentations- und Körpersprachetrainerin/coach, über die Macht der Körpersprache. Sie zeigt Ihnen, dass die Fähigkeit zum überzeugenden Auftritt von großer Bedeutung ist, und wie Ihre innere Haltung durch Ihre Körpersprache nach außen getragen wird. Im Video lernen Sie anhand von Beispielen die Wirkung unterschiedlicher Körperhaltungen kennen, und können anhand von Übungen selbst ausprobieren, wie Sie Ihre Botschaft, Ihren Lehrstoff, mithilfe Ihres Auftritts vermitteln können. Dahinter steckt das Wahrnehmungsprinzip: Die Studierenden verbinden die körpersprachlichen Signale, die sie an Ihnen wahrnehmen, mit dem Sachinhalt. 

© Heike Hofmann

Transkript zum Video

Heike Hofmann, Präsentations- und Körpersprachetrainerin/coach

Die Macht der Körpersprache
[00:10 - 01:07] Es geht um die Macht der Körpersprache. Sie stehen täglich vor der Herausforderung Ihre Themen in Seminaren, Übungen, Vorlesungen zu positionieren und überzeugend zu präsentieren. Nun ist es so, der Anteil den das Wort an der Gesamtbotschaft eines Redners einnimmt, nach einer Studie des Deutschen Rednerverbandes liegt dieser Anteil bei 22%, der Anteil der Stimme bei 19% und der des Körpers bei 59%. Was heißt das für Sie im Alltag? Daraus wird deutlich, dass neben ihrer inhaltlichen Kompetenz die Fähigkeit zum überzeugenden Auftritt von großer Bedeutung ist. Körper und Stimme entscheiden wie die inhaltliche Aussage verstanden wird.

[01:08 – 01:35] Die Körpersprache ist Ihre emotionale Botschaft. Emotionale Botschaft heißt, es ist Ihre innere Haltung, Ihre innere Haltung zu sich selbst, zu Ihren Studierenden und auch zum Thema. Diese innere Haltung zeigt sich und spiegelt sich wider in Ihrer äußeren Haltung. Das Wort vermittelt den Sachinhalt. Körpersprache und Stimme sind die Vermittlerinnen der emotionalen Botschaft. Und wie Wort und Körper miteinander arbeiten, schauen wir uns im nächsten Beispiel an.

Beispiel „Körpersprache ist ein äußerst spannendes Thema“
[01:57 – 02:46] Wenn die innere Haltung eine schüchterne, dann zeigt sich das in folgenden köpersprachlichen Signalen. Ich nehme einen sehr engen Standpunkt ein, schließe die Beine sehr eng, ich drücke die Knie durch, die Schultern sinken herab, der Brustbereich sinkt ein, der Kopf folgt, neigt sich etwas nach vorne, die Blickrichtung weist von unten nach oben und oft halten sich auch die Hände aneinander fest, wenn auch vorsichtig. Aus dieser schüchternen Haltung heraus platziere ich dann einen Satz mit großer Überzeugung: „Körpersprache ist ein ganz, ganz wichtiges Thema.“

[02:48 – 03:17] Ok, nehmen Sie hingegen eine aufrechte eine selbstbewusste Haltung ein, die sich in folgenden Körpersignalen widerspiegelt: ein etwas breiterer Stand, die Knie sind locker, der Brustbereich öffnet sich, damit hebt sich der Kopf, die Blickrichtung wird offener. Und ich kombiniere mit dieser Haltung den Satz: „Körpersprache ist ein ganz wichtiges Thema.“

[03:18 – 04:16] Beim ersten Mal haben Sie festgestellt, dass Körper und Sprache nicht miteinander harmoniert haben. Der Körper hat das Wort nicht unterstützt. Die innere Haltung wurde mit dem Sachinhalt verbunden, aber das Wort wurde nicht vom Körper unterstützt, sondern sogar blockiert. Es entstand ein Widerspruch, eine Inkongruenz. Im zweiten Beispiel hat meine äußere Haltung, die aus meiner inneren Haltung, des Selbstvertrauens, resultierte, meine Botschaft unterstützt und untermauert. Das heißt als Fazit: Immer dann, wenn Stimme und Körpersprache und das Wort übereinstimmen, kongruent sind, dann hat der Redner Glaubwürdigkeit und Souveränität.

Wahrnehmungsprinzip
[04:22 – 05:19] Das, was Sie eben in dem Beispiel wahrgenommen haben, passiert auch in Ihren Seminaren. Und zwar nach folgendem Wahrnehmungsprinzip: Die Studierenden verbinden die körpersprachlichen Signale, die sie an Ihnen wahrnehmen, mit dem Sachinhalt. Manches Mal auch ungerechtfertigt ziehen Sie damit Rückschlüsse auf Ihre Sachkompetenz. Sie können diesen Interpretationen und teilweise Pauschalisierungen entgegenwirken, indem Sie sich Ihre Körpersprache bewusst machen und damit wissen, welche köpersprachlichen Signale Sie aussenden, was Sie als emotionale Botschaft mitschicken. „Wenn ich weiß, was ich tue, kann ich tun, was ich will“, so sagte das Feldenkrais. Das heißt zur professionellen Kommunikation, gehört Selbstkenntnis und ein kongruentes Auftreten.

Souveränität vor und in der Vorlesung

Wie können Sie Ihre Präsenz steigern?

Auf dieser Seite finden Sie zwei Videos zum Thema „Souveränität vor und in der Vorlesung“. Im ersten Film verdeutlicht Heike Hofmann, Präsentations- und Körpersprachetrainerin/coach, wie Sie Ihre Souveränität schon vor Beginn der Lehrveranstaltung erhöhen und zeigen können. Sie lernen drei einfache Übungen kennen, zur Aufrichtung des Körpers, zur Atmung und für die Lockerung der Schultern, mit denen Sie sich für jede Lehr-Situation wappnen können.

Im zweiten Film zeigt Heike Hofmann auf, welchen Unterschied es macht, wie Sie den Seminarraum oder Hörsaal betreten, und bietet Ihnen drei Fragen zur Reflexion an, anhand derer Sie für sich festlegen können, welchen wortwörtlichen Stand-punkt Sie im Raum wählen. Sie lernen in diesem Video mehr über den Einsatz von Gesten und bekommen eine Antwort auf die Frage: "Was mache ich mit meinen Händen?"

Souverän vor der Veranstaltung

© Heike Hofmann

 

Transkript zum Video

Heike Hofmann, Präsentations- und Körpersprachetrainerin/coach

Erhöhung Ihrer Präsenz
[00:12 – 00:50] Es wird Sie vielleicht verwundern, aber Ihre erste Aufgabe beim Auftritt liegt darin, gut für sich selbst zu sorgen, dass Sie entspannt sind und sich wohl fühlen. Das kommt nicht nur Ihnen, sondern auch Ihren Studierenden zugute. Bereiten Sie sich nicht nur inhaltlich, sondern auch körpersprachlich auf Ihre Lehrveranstaltung vor. Im Folgenden werde ich Ihnen drei einfache und effektive Körper- und Atemübungen zeigen, die Ihre Präsenz und Ihre Gelassenheit erhöhen. Schauen wir uns erstmal Ihren Stand und Ihre Haltung an.

Übung: Aufrichtung
[00:51 – 01:51] Nehmen Sie dazu eine Grundstellung ein, das heißt die Füße stehen hüftweit auseinander, die Kniescheiben sind locker, die Hüfte steht über den Fersen. Der Oberkörper richtet sich auf, die Wirbelsäule wächst nach oben, der Schultergürtel ist locker und sitzt über dem Becken. Der Kopf ist in der Mitte und Sie schauen geradeaus. Die Arme lassen Sie dabei locker hängen.
Sich zentrieren, heißt die eigene Mitte finden. Wenn Sie in Ihrer eigenen Mitte ruhen und einen festen Stand haben, hat das Auswirkungen auf Ihre gesamte Körperhaltung bis ihn zu Ihrer Stimme. Sie wird bestimmter und erhöht Ihre souveräne Ausstrahlung.

Übung: Atmung
[01:51 - 03:30] Gut aufgerichtet, kann auch Ihr Atmen gut fließen. Der Atem nimmt eine Sonderstellung ein. Einerseits passiert er spontan, andererseits können Sie ihn willentlich beeinflussen. Sie haben damit ein weiteres wichtiges Zentrierungselement, mit dem Sie Ihre emotionalen Zustände beeinflussen können – positiv beeinflussen können. Zum Beispiel Ihre Aufregung. Mit der folgenden Atemübung gewöhnen Sie sich eine tiefe Bauchatmung an und trainieren gleichzeitig Ihre Atemmuskulatur. Wichtig bei diesen Atemübungen ist es, dass Sie sie in Ruhe, in einer ruhigen Atmosphäre üben, um dann den Effekt der Beruhigung und Zentrierung in einer Stresssituation abrufen zu können.
Sie stellen sich aufrecht hin, legen die Hände auf den Bauch und atmen ruhig durch die Nase, bis tief in den Bauch hinein ein. Zählen Sie dabei bis vier. Dann halten Sie die Luft kurz an. Und atmen wieder aus. Zählen Sie dabei bis acht, oder sogar bis zwölf. [Lautes Ein- und Ausatmen] Noch einmal. [Lautes Ein- und Ausatmen]

Übung: Entspannung für die Schultern
[03:44 – 05:23] Oft glauben wir, dass wir aufrecht stehen, gelöst und entspannt sind, aber wir richten nun das Augenmerk besonders auf die Schultern. Die Schultern tragen viel Verantwortung und um diese Verantwortung tragen zu können, halten wir oft mit viel Kraft dagegen. Besonders wenn wir die Hände hier vorne mitsprechen lassen. Dann ziehen wir gerne die Schultern mit hoch. Es geht also in der nächsten Übung darum die Schulterpartie zu lockern, denn für eine aufrechte gelöste Haltung, für ein freies Atmen, für eine freie Stimme und wie Sie sehen werden im Weiteren, für eine offene Gestik ist es notwendig, dass die Schultern gelockert sind.
Sie nehmen die Schultern bis hoch zu den Ohrläppchen und lassen sie langsam kreisen. Kommen vorne wieder hoch bis zu den Ohrläppchen und lassen die Schulterblätter hinten am Rücken hinuntergleiten. Von der Seite sieht das so aus: hoch zu den Ohrläppchen und die Schulterblätter den Rücken hinunter fließen lassen. Und noch ein Mal. Und beim letzten Mal lassen Sie die Schultern locker hängen. Und genießen den freien Nacken.
[05:25 – 05:45] Ziel aller drei vorbereitenden Übungen ist: durch die entspannende Wirkung Körper und Geist wach und aufmerksam und damit präsent zu machen. Damit sind Sie gut gerüstet für die Moderation Ihres Seminars oder um einen Vortrag zu halten.

Souverän in die Veranstaltung

© Heike Hofmann

 

Transkript zum Video

Heike Hofmann, Präsentations- und Körpersprachetrainerin/coach

Der Gang zum Podium
[00:18 - 00:57] (läuft von links in die Raummitte) Ihr souveräner Auftritt beginnt mit dem Gang zum Podium. Hier, haben Sie ein Ziel und eine Aufgabe zu erledigen, z.B. das Halten eines Vortrags. Ihre Studierenden lesen schon an Ihren Körpersignalen, die Sie während des Gangs gegeben haben ab, wie Sie Ihre Aufgabe hier angehen. Gehen Sie z.B. zu zögerlich, leiten Ihre Studenten davon vielleicht ab, dass Sie alle Ihre Aufgaben zu zögerlich angehen.
[01:07 - 01:09] (läuft von links in die Raummitte) Guten Morgen. (Stimme leise und verunsichert)
Oder aber Sie gehen zu leger und Ihre Studierenden sehen darin, dass Sie auch Ihr Thema, was Sie gleich behandeln werden zu leger angehen, es zu leicht nehmen, es nicht ernst nehmen.
[01:33 – 01:34] (läuft von links in die Raummitte) Guten Morgen. (lässige Stimme)
[01:36 – 02:01] Gehen Sie ruhigen Schrittes mit aufrechter Haltung, mit einem offenen Blick, dann nehmen Sie Ihre Studierenden schon wahr und atmen Sie auf dem Gang bewusst ein und aus. Das kommt schon hier Ihrer Entspannung zugute. (läuft von links in die Raummitte) Guten Morgen. (Stimme klar und wach)
[02:03 – 02:35] Bevor Sie nun anfangen zu sprechen und Ihren Standpunkt inhaltlich vertreten, nehmen Sie ihn zunächst räumlich und auch körpersprachlich ein. Das heißt Sie nehmen einen guten Stand ein. Damit haben Sie Bodenkontakt und dort wo Ihre Füße stehen, stehen Sie in der Realität.
Stellen Sie sich dabei folgende Fragen: (Einblendung) Wie stehe ich selbst? Wo stehe ich im Raum? Wie stehe ich zu den Studierenden?
[02:36 – 04:02] Wie stehe ich selbst? Auch wenn Sie hinter einem Rednerpult stehen, achten Sie auf Ihre Füße, nehmen Sie die Grundstellung ein und achten Sie auf eine aufrechte entspannte Haltung. Auch hinter dem Rednerpult nimmt man als Zuschauer wahr, wenn Sie nicht richtig stehen, nicht aufgerichtet sind und sich eventuell auch noch am Rednerpult festhalten.
Dann: „Wo stehe ich im Raum?“ Achten Sie darauf, dass Sie frei stehen. Wenn Sie zu nah an einer Wand oder an einem Rednerpult stehen, beschränken Sie Ihren eigenen Radius. Wählen Sie einen Standpunkt, wo Sie wirklich frei stehen, damit wirken Sie souveräner.
Und die dritte wichtige Frage ist: „Wie stehe ich zu den Studierenden?“ (stellt sich seitlich hin) Von Ihrer inneren Haltung her, sind Sie vielleicht ein bisschen skeptisch Ihren Studierenden gegenüber. Das würde man dann in so einer Haltung ablesen können. Sie zeigen ihnen die kühle Schulter. (dreht sich frontal zur Kamera) Stellen Sie sich Ihren Studierenden offen gegenüber. So kommen Sie mit Ihnen in Kontakt. Und Ihre Informationen können nachhaltig vermittelt werden.

Standpunkt bewusst einnehmen
[04:08 - 04:37] Nehmen Sie Ihren Standpunkt bewusst ein, auch wenn Sie während des Seminars auf und ab gehen. (läuft) Oder aber Standbein und Spielbein wechseln. (wechselt das Bein) Wenn es brenzlig wird, wenn es zum Beispiel Störungen im Seminar gibt, nehmen Sie Ihren festen, flexiblen Stand ein und können dann aus dieser Ruhe heraus mit dem Einwurf, mit der Störung umgehen.

Das Thema „behandeln“
[04:44 – 06:09] Sie halten nun Ihren Vortrag, Sie behandeln Ihr Thema. Sprache beschreibt auch hier Körpersprache. Handeln kommt von Hand und Ihre Studierenden leiten Ihre Handlungsfähigkeit von Ihren Händen her. (bewegt beide Hände vor sich) Ihre Gestik verrät ihnen, ob Sie die Herausforderungen anpacken. Darüber hinaus signalisieren Ihre bewegten, gestikulierenden Hände, wie Sie selbst mit Ihrem Thema verbunden sind und wie Ihr Thema Sie bewegt.
Eine oft gestellte Frage lautet: „Wohin mit meinen Händen?“ Grundsätzlich gilt, sobald Sie darüber nachdenken, was Sie mit Ihren Händen machen sollen, fangen die Hände an zu stören. Überlegen Sie sich nicht, welche Handbewegung, welche Geste Sie an welcher Stelle im Vortrag einsetzen möchten. Schaffen Sie grundsätzlich die Möglichkeit für Ihre Hände, dass sie sich bewegen können, dass sie mitsprechen können. Halten Sie sich nicht an irgendetwas fest, z.B. an einem Pult (greift ans Pult) oder auch an sich selbst. (greift ihre Hände ineinander) Gönnen Sie Ihren Händen Bewegungsfreiheit.

Der positive Gestenbereich
[06:13 – 08:24] Der positive Gestenbereich, also der Bereich in dem Ihre Gesten gut sichtbar sind, liegt zwischen Schulterlinie und Hüfte. Das erklärt sich auch einfach dadurch: Das ist der Handlungsbereich. Stellen Sie sich einmal vor Sie würden mit einem Schraubenzieher, eine Schraube anziehen wollen mit einem Schraubenzieher. Das könnten Sie hier unten schlecht machen. (greift auf Höhe der Oberschenkel) Sie gehen auf die Handlungsebene, (hält ihre Hände auf Bauchhöhe) weil Sie hier auch gut zuschauen können und Ihre Arbeit beurteilen können. Gesten kommen vom Herzen her und liegen auf der Handlungsebene.
Ihre Gestik sollte in einem automatischen und selbstverständlichen Fluss mit dem Wort einhergehen. Und um mit Ihren Studierenden in Kontakt zu treten, ist eine offene Haltung und eine offene Gestik von Vorteil. Geöffnete Hände zeigen Vertrauen. Wenn ich mich öffne, signalisiere ich Mut. Eine geöffnete Körperhaltung wirkt deshalb souverän. Es signalisiert „Ich schenke anderen Vertrauen und andere können mir vertrauen.“
Gesten strukturieren Ihre Rede. Unterstreichen Sie Ihre Worte durch eine lebendige Gestik und eine lebendige Mimik. Haben Sie eine aktivierende, eine motivierende, eine zur Handlung auffordernde Wirkung. Begleiten Sie z.B. eine Aufzählung mit „Erstens, zweitens, drittens“. (zählt mit der erhobenen rechten Hand mit) So haben Ihre Studierenden Ihre Worte bildhaft vor Augen.
Einen klaren, führenden und souveränen Charakter erhalten Gesten, wenn Sie akzentuiert ausgeführt sind. Das heißt Sie haben einen gesetzten Anfang und ein gesetztes Ende. (hebt erst die linke und dann die rechte Hand) Zum Beispiel: „Einerseits…andererseits“. (hebt erst die linke und dann die rechte Hand) Sie werden entschieden ausgeführt. Entschiedene Gesten geben Ihrer Rede Struktur und Ihren Studierenden Orientierung und Halt.

Atemtechnik und Artikulation

Wie können Sie Ihre Stimme ökonomisch einsetzen und Ihre Aussprache optimieren?

Im Folgenden sehen Sie zwei Videos zum Thema „Atemtechnik und Artikulation“. Im ersten Film spricht Kriszti Kiss, Diplom-Schauspielerin und Trainerin, über die richtige Technik, damit Ihnen in der Lehre nicht "die Puste ausgeht". Sie lernen die Bauchatmung als hilfreiches Mittel kennen, und sehen, wie Sie mit einfachen Mitteln mehr Luft zum Sprechen haben.

Im zweiten Video widmet sich Kriszti Kiss der Artikulation. Dafür zeigt sie Ihnen kurze, einfache Übungen auf, mit denen Sie Ihre Aussprache trainieren können, und spricht Ihnen die Übungen zur Optimierung der Artikulation vor. So wird Ihr Vortrag stimmschonend, ökonomisch und spannend.

Atemtechnik

© Kriszti Kiss

Transkript zum Video

Kriszti Kiss, Diplom-Schauspielerin und Trainerin

Atemtechnik - Intro
[00:08 – 00:52] Haben Sie hin und wieder Probleme mit Ihrer Stimme? Haben Sie manchmal Angst davor, heiser zu werden? Oder dass Ihre Stimme müde oder matt wird? Dass sie Ihnen nicht gehorcht? Also, dass Sie mit Ihrer Stimme nicht ankommen?
Na ja, ein Wundermittel kann ich Ihnen nicht versprechen. Aber vielleicht kann ich Ihnen einige Tipps geben, wie Sie Ihre Stimme richtig einsetzen und ökonomisch benutzen können. Eine Art „Notkoffer“ also. Die folgenden Übungen sind aber nur dann wirksam, wenn Sie sie regelmäßig wiederholen.

[00:54 – 01:26] Für die richtige Stimmgebung ist das Wichtigste eine gezielte und ökonomische Atmung. Beim Sprechen sollten Sie eine Kombination aus Brust- und Bauchatmung verwenden. Die meisten Menschen sind Hochatmer. Damit nutzen sie nur die Hälfte der verfügbaren Atemkapazität. Da die ganze Körperhaltung und jede noch so kleine Veränderung Ihre Stimme beeinflusst, ist es immens wichtig, dass Sie bei den Übungen und später auch im Berufsalltag eine ideale Körperspannung und Körperhaltung herstellen. Wie funktioniert das? (eingeblendet als Text)

[01:45 – 04:08] Stehen Sie bitte gerade! Die Knie sind nicht ganz durchgestreckt. Das Becken wird leicht nach vorne geschoben. Die Entfernung der Füße beträgt etwa eine Fußlänge. Die Schultern sind locker; das Gesicht ist entspannt. Die Hände ebenfalls. Und nun stellen Sie sich vor, dass Ihr Brustraum und Bauchraum zusammen eine Art Speicher bilden. Legen Sie bitte die Hände auf Ihren Bauch und atmen Sie tief durch die Nase ein. Wenn die Nase zu ist, wie das bei mir leider der Fall ist, dann durch den Mund.
Also, atmen Sie bitte ein. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Bauch und atmen Sie aus. Hörbare Ausatmung Haben Sie es bemerkt, dass Ihr Bauch beim Einatmen kugelförmig geworden ist? Ja? Dann haben sie es richtig gemacht.
Und nun atmen Sie genau so wie zuvor wieder ein, und atmen Sie dann sehr, sehr langsam und dosiert mit dem Konsonanten „S“ wieder aus. Also, atmen Sie ein und atmen Sie aus. Hörbare Ausatmung mit „S“ Der Bauch ist wieder flach. Bei mir – nach ja, - relativ. Aber Spaß beiseite. Sie werden feststellen, dass man sehr, sehr lange ausatmen kann, wenn man ökonomisch eingeatmet hat und die Luft dann ganz dosiert wieder ausströmt.

[04:08 – 05:04] Wiederholen wir die Übung zusammen mit den Worten: Das – was – Fass. Atmen Sie ein. Es geht los. Dasssssssssssssssssssssss. Und wassssssssssssssssss. Und jetzt bitte – Fassssssssssssssssss. Entspannen Sie sich.

[05:05 – 07:14] Und nun versuchen Sie mit der erlernten Technik Ihr Stimmvolumen in Ihrer individuellen Tonlage zu vergrößern. Versuchen Sie bitte, die Vokale in der alphabetischen Reihenfolge: A, E, I, O, U zum Klingen zu bringen. Zunächst einmal leise, dann kraftvoll, dann wieder leise. Pressen Sie nicht in den Kehlkopf. Arbeiten Sie nur mit dem Atemdruck. Die Stimme darf nicht in die Höhe gehen.
Ich mache es einmal falsch. Maaaaaaaaaaaa (Stimme wird immer höher im Ton). So bitte nicht.
Und nun machen wir es bitte gemeinsam richtig. Atmen Sie ein, es geht los. Maaaaaaaaaaaa (Stimme bleibt im gleichen Ton). Meeeeeeeeeeee. Miiiiiiiiiiiiiii – atmen Sie. Mooooooooooo. Muuuuuuu – danke. Entspannen Sie sich.

[07:16 – 07:36] Wenn Sie die Übung richtig machen, dürfen Sie es nicht als unangenehm empfinden, und Sie dürfen dabei auch keine Stimmmüdigkeit spüren. Viel Spaß bei den Übungen und bleiben Sie „gut bei Stimme“!

Artikulation

© Kriszti Kiss

Transkript zum Video

Kriszti Kiss, Diplom-Schauspielerin und Trainerin

Artikulation - Intro
[00:07 – 00:42] Haben Sie schon mal die Erfahrung gemacht, dass Sie Ihr Gegenüber zwar hörten, jedoch das Gehörte nicht genau verstanden haben? Oder haben Sie eine unangenehme Erinnerung daran, dass Sie Ihre Zuhörer mit Ihrer Ansprache nicht erreichten? Und Ihre Studierenden schließlich nicht mehr zuhörten… Vielleicht hingen diese Phänomene mit einer nicht ganz idealen Artikulation zusammen.

Optimierung der Aussprache: Übungen
[00:46 – 02:10] Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie undeutlich sprechen, d.h. nuscheln, Silben verschlucken, oder quetschen, also, dass Sie die Zähne nicht auseinanderbringen, dann sollten Sie Ihre Aussprache trainieren und optimieren. Zunächst einmal mit Lockerungsübungen.
Fangen wir mit den Lippen an: Erinnern Sie sich noch, wie Sie als Kind mit den Lippen „flatterten“? Diese kleine spielerische Lippenbewegung kann sehr hilfreich sein. Nur keine Hemmungen! Ich mache es Ihnen vor: (Lippenübung wird durchgeführt)
Lockern Sie Ihre Lippen durch häufige Wiederholung der Silben: ma - me - mo – mu
Und nun Fitness für Ihre Zunge: bla – ble – bli – blo – blu
Und jetzt trainieren Sie Ihr Sprechwerkzeug… ich – du – ich – du – ich – du
Vielen Dank.

Optimierung der Aussprache: Zungenbrecher
[02:17 – 03:24] Und nun versuchen Sie bitte mir altbekannte Zungenbrecher nachzusprechen. Es klapperten die Klapperschlangen, bis ihre Klappern schlapper klangen. Danke.
Wir Wiener Wäscheweiber würden weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo warmes Wasser wär‘. Danke.
Der Leutnant von Leuthen befahl seinen Leuten, nicht eher zu läuten, als der Leutnant von Leuthen seinen Leuten das Läuten befahl.
Sehen Sie es klappt doch. Ich als gebürtige Ungarin hab es auch geschafft. Mit viel Übung natürlich.

Optimierung der Aussprache: Beispielübung APOTHEKE
[03:30 – 04:54] Und nun zum Schluss eine kleine Übung, die sowohl für die Atemtechnik als auch für die Artikulation sehr hilfreich sein kann. Es handelt sich um das geläufige Wort Apotheke. Zunächst einmal nur für den Kopf: Apotheke. (Übung wird vorgesprochen/gleichzeitig eingeblendet)
Und jetzt bitte von hinten nach vorne. (Übung wird vorgesprochen/gleichzeitig eingeblendet)
Und nun versuchen Sie bitte die Laute mit einem Atemzug hin- und zurück zu sprechen. Ich mache es einmal vor. (Übung wird vorgesprochen/gleichzeitig eingeblendet)
Wenn es nicht sofort klappt, es ist nur eine Frage der Zeit. Vergessen Sie bitte nicht: der Weg ist das Ziel.

[04:57 – 05:16] Ich hoffe, es ist mir gelungen, Sie zu motivieren, an Ihrer Aussprache zu arbeiten. Denken Sie bitte daran: Wenn Sie gut verständlich artikulieren, können Sie mit Ihrer klaren Aussprache Ihre Zuhörerschaft fesseln.

[05:17 – 05:49] Und noch eins: Wenn Sie über eine gute Artikulation verfügen, können Sie es sich durchaus erlauben, einige Sequenzen Ihres Vortrags leiser zu gestalten. So können Sie Stimmkraft sparen und Ihre Darstellung bekommt eine zusätzliche Farbe. So wird Ihr Vortrag stimmschonend, ökonomisch und spannend. Viel Erfolg.

Kontextbezogener Einsatz

Wie können Sie Stimme und Körpersprache in unterschiedlichen Lehr- und Beratungssituationen einsetzen?

Drei Videos mit Tipps zum Thema „Einsatz von Stimme und Körpersprache in unterschiedlichen Lehr- und Beratungssituationen“ von Frau Barbara Michel, Schauspielerin, Sprecherin und Trainerin.

Die Übungen können Sie hier als PDF downloaden.

Sprechstunde

© Barbara Michel

Seminar

© Barbara Michel

Vorlesung

© Barbara Michel

 

 

Was sagen Studierende?

"Mein*e Traumlehrende*r wäre freundlich und kommunikativ und hätte ein angenehmes Stimmbild, dem man gut folgen kann." (kurz nach dem Staatsexamen in Jura)

Literaturtipps

Stimme

  1. Aderhold, Egon (1995): „Das gesprochene Wort.“ Leipzig.
  2. Coblenzer, Horst; Muhar, Franz (1994): „Atem und Stimme. Anleitung zum guten Sprechen.“ Wien.
  3. Dyckhoff, Katja; Westerhausen, Thomas (2007): „Stimme: Instrument des Erfolges.“ Regensburg.
  4. Gutzeit, Sabine F. (2008): „Die Stimme wirkungsvoll einsetzen. Das Stimm-Potenzial erfolgreich nutzen.“ Weinheim.
  5. Mentzel, Wolfgang (2006): „Rhetorik. Frei und überzeugend sprechen.“ Planegg.
  6. Nollmeyer, Olaf (2005): „Die Souveräne Stimme: Praxisnahes Stimmtraining mit interaktiver CD-ROM.“ Offenbach.

Körpersprache

  1. Heilmann, Christa M. (2009): „Körpersprache richtig verstehen und einsetzen.“ München.
  2. Rhode, Rudi; Meis, Mona S. (2004): „Wortlos sprechen.“ Zürich.
  3. Rosenbusch, Heinz S.; Schober, Otto (Hrsg.) (1995): „Körpersprache in der schulischen Erziehung.“ In: Pädagogische und fachdidaktische Aspekte nonverbaler Kommunikation. Hohengehren.

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